Hurricane Teil 7: Sonntag gehört die Sonne

Endlich ein Festivaltag der mit Sonne beginnt. Das bedeutet zwar früher wach werden, aber auch sofort gute Laune bekommen. Die Regenfälle der letzten Tage haben nicht nur dem Gelände schwer zu gesetzt, viele Besucher waren gestern Abend einfach an ihrer Belastungsgrenze. Da tut die Sonne momentan wahre Wunder, alle sind wieder gut drauf und freuen sich auf das große Finale.
Und auch die Organisatoren sind optimistisch, angeblich sollen tatsächlich alle Bühnen wieder bespielbar sein. Auf der Hurricane-Facebookseite sind Fotos vom Infield zu sehen, die deutlich machen wie unermüdlich die Arbeiter die Nacht durchgemacht haben, um den Platz wieder begehbar zu machen. Und sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet, das Gelände sieht den Umständen entsprechend extrem gut aus.

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Und tatsächlich öffnen um 11.30 Uhr zum ersten mal dieses Wochenende die Pforten des Infields exakt nach Plan. Die Maschine Hurricane hat zu ihrem Rhythmus zurück gefunden und ist für heute nicht mehr aufzuhalten.
Alle Konzerte finden pünktlich statt, einzige Ausnahme sind The Heavy die auf der Anreise Problem mit ihrem Flug hatten.
Das einzige was mich von den heutigen Bands noch so sehr reizt, das ich sie auf keinen Fall verpassen will sind Bloc Party und Mumford and Sons. Also lasse ich mich zum Beginn treiben und lande bei Tom Ordell vor der Bluestage. Sehr angenehmes Songwriting mit Klavier und Band, so darf der Tag beginnen.

Dann aus reiner Faulheit, da wir tatsächlich ein Plätzchen zum Sitzen gefunden haben gleich noch Wanda hinterher, die ich als Studioband eher etwas anstrengend fand. Hier auf der blauen Bühne erweisen sie sich allerdings als ausgesprochen gute Liveband, die unaufdringlich einfach gute Musik macht ohne groß auf die Stimmungstube zu drücken. Immer noch sehr entspannt.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass das deutsche Achtelfinale bald ansteht, also klinke ich mich für die nächste Zeit erstmal aus und verschwinde im nahe gelegenen Pressezelt, wo das Spiel live übertragen wird. Eigentlich ein Frevel, nachdem ich so lange gewartet habe, dass mal wieder Live-Musik geboten wird. Aber was soll’s. Schließlich ist auch nur alle vier Jahre EM, da muss man eben Prioritäten setzen.
Nach dem fantastischen Spiel schaffe ich es noch rechtzeitig zu Two Door Cinema Club, eine ausgesprochen gut gelaunte Liveband, die mich mit ihren eingängigen Indie-Melodien tatsächlich zum ersten Mal heute zum Tanzen bringen.

Jetzt also auf zu Bloc Party zur Greenstage. Die erste Überraschung für mich ist, dass die Band komplett umbesetzt ist, einzig der Frontman Kele Okereke ist von der Original-Besetzung geblieben. Ein neuer Song, ein älterer, dann wieder eine neuer, dieses Konzept hat schon oft bei Festivals funktioniert. Allerdings interpretieren Bloc Party ihre eigenen Songs so frei neu, dass einige einfach nicht wieder zu erkennen sind. Ein Experiment, dass leider nicht aufgeht, keiner kann so richtig etwas mit dem neuen Sound anfangen. Nur bei den ganz alten Hits wie Banquet und Helicopter finden Sie zu Ihrer alten Stärke und vor allem ihrem alten Sound zurück und bringen die bis dahin eher unmotiviert umherschwankenden Fans zum Abgehen. Schade, die Erwartungshaltung der Besucher deckte sich hier offensichtlich nur in Ansätzen mit dem was Bloc Party abzuliefern bereit sind.

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Nach dieser Enttäuschung schenke ich mir den Deichkind-Gig auf der Blue Stage. Ich bin mir zwar sicher, dass sie heute die fetteste Party auf die Bühne zaubern werden, aber ich hab die Jungs jetzt auch oft genug live gesehen. Dann warte ich lieber hier wo ich bin vor der Greenstage auf Mumford and Sons.
Und die Jungs liefern dann tatsächlich richtig gut ab. Alle Hits, alle gröhlen mit, alle feiern sie ab, vom ersten bis zum letzten Ton ein wirklich gutes Konzert. Danke dafür.
Zeit für den letzten Weg zurück zum Zelt. Etwas wehmütig sitzen wir in unserem Pavillon und denken “wie, das war’s jetzt schon?”. Die Stimmung ist eher so wie sonst freitags, eigentlich hat man eben erst Lust auf mehr bekommen. Trotzdem geben wir uns zufrieden und legen uns in die Zelte. Die ganz große Katerstimmung kommt eh erst morgen früh, wenn ums beim Abbau der desaströse Zustand des Zeltplatzes (und des eigenen Körpers) deutlich macht, was wir hier eigentlich durchgemacht haben.
Und trotzdem ist jetzt bereits klar, nächstes Jahr sind wir alle wieder dabei. Denn dieses Festival ist nicht nur eine Herausforderung an alle Blümchenfestival-Besucher, es schweißt eben auch zusammen und lässt trotz tausenden Litern Regenwasser alle die hier waren mit einem Lächeln im Gesicht abreisen. Bis nächstes Jahr, Hurricane. Ich hab dich immer noch lieb.