Oriental Riff

Musikklischees: Die Welt in fünf Noten

Erkennen Sie die Melodie! Merlin Schumacher hat die bekanntesten geographischen Musikklischees gesammelt und zeigt, dass man ganze Kontinente auf ein paar Noten runterkochen kann.

Gerüche sind die besten Erinnerungstrigger. Nur ein kleiner Hauch,  und eine zwanzig Jahre alte Erinnerung ist wieder da.

Ganz ähnlich ist das mit dem Hören. Ein bestimmtes Musikstück oder auch nur ein Geräusch erzeugt aber eher Assoziationen als Erinnerungen. Musiker haben sich das schon seit jeder zu nutze gemacht. Und Filmmusik ganz besonders,  um schnell und einfach bestimmte Situationen zu vermitteln. Besonders effektiv und präsent sind musikalische Fragmente, die mit bestimmten Orten oder Kulturen assoziiert werden, auch wenn eigentlich gar nichts damit zu tun haben.  Wir haben eine kleine Klangschau der Klischees zusammen gestellt.

1. Aladdin Quick Step

 

Das “Oriental Riff” ist das bekannteste Musikklischee, dass es gibt. Jeder hat es schon einmal (eher eintausendmal) gehört und hat sofort eine diffuse Assoziation mit einem stereotypen Asien. Wie man sich vielleicht schon denken kann entstammt das Stück nicht irgendeiner asiatischen Kultur, sondern einem amerikanischen Musical namens The Grand Chinese Spectacle of Aladdin or The Wonderful Lamp von 1847. Das Fragment des Songs Aladdin Quick Step hat die Zeiten überstanden und löste seine Assoziation mit Vorderasien auf und wurde mit Fernost verknüpft.

 

2. The Streets of Cairo

Die Assoziation dieses Stückes mit Vorderasien geschah erst 50 Jahre später mit dem Stück The Streets of Cairo, or the Poor Little Country Maid. Das Lied entstand im Rahmen der Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 und wurde von deren Unterhaltungsdirektor Sol Bloom komponiert. Die Weltausstellung nahm sich wohl wörtlich und wollte die Welt in Chicago darstellen, also gab es auch eine arabisch geprägte Straße Namens A Street in Cairo. Dort gab es Schlangenbeschwörer, Kamelreiter usw., usf. Die Straße der Weltausstellung ist fast vergessen, aber ihre Musik hat bestand.

 

3. Tarantella Napoletana

Ah! Nepal Neapel! Italien hat auch seine Klischeemusik, aber für die ist es wenigstens auch selbst verantwortlich, denn Tarantella sind eine Gruppe von italienischen Volkstänzen. Diese Volkstänze sind bereits für ca. 1100 v.Chr. belegt, also ur-italienisch. Wie genau sich die Tarantella Neapolitana in die Popkultur geschlichen hat lässt sich nicht so einfach erklären, aber schon bei Gioachino Rossini findet sich das Stück:

 

4. Das Lied der Wolgaschlepper / Kalinka

 

Russland bzw. die Sowjetunion ist sogar mit zwei Klischeestücken gesegnet. Zum einen die unvermeidliche Kalinka, dem 19. Jahrhundert entstammt. Dieses Stück handelt vom Drosselbeerstrauch, aber vor allem davon, wie schnell man singen kann.

Spannender, weil nicht so sehr bekannt ist Das Lied der Wolgaschlepper. Das Volkslied wurde 1866 in einer Sammlung von Mili Balakirew veröffentlicht. Im Westen wurde das Lied popularisiert, als Glenn Miller 1941 eine Jazz-Version produzierte die zum Chartstürmer wurde. In Deutschland konnte der Pseudo-Russe Ivan Rebroff damit Erfolge feiern. Was vom Lied übrig blieb ist nur das minimale Fragment des “Da dada daaa”, das jeden Russen in westlicher Popkultur begleitet.

The Streets of Cairo, or the Poor Little Country Maid - PD: Sophie Hamilton recorded the MIDI file created by Bill Edwards. The original music was created

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