Californium und Philip K. Dick: Was wäre wenn?

Ab heute steht Californium, das Spiel um den wahrscheinlich einflussreichsten Schriftsteller neuer Science-Fiction, Philip K. Dick, kostenlos zum Download bereit. Unser Autor hat es angespielt.

Berkeley, Kalifornien, 12. Februar 1967 . Der Autor Elvin Green schreibt auf seiner Schreibmaschine ein trauriges Gedicht.

Eins, zwei, drei – wo kann Alice sein?
Vier, fünf, sechs – wie komm’ ich zurecht?

Eins, zwei, drei – ich leid’ echte Pein,
Vier, fünf, sechs – mir geht’s richtig schlecht.

Eins, zwei, drei – wo kann Alice sein?
Vier, fünf, sechs – wie komm’ ich zurecht?

Eins, zwei, drei – ich leid’ echte Pein,
Vier, fünf, sechs – mir geht’s richtig schlecht.

Es klopft und eine Nachricht wird unter der Wohnungstür hereingeschoben.

gnn

Thea Trauberg ist Elvins Exfrau. Green hat sich in Alkoholismus und Drogenkonsum zurückgezogen, seit sie und ihre gemeinsame Tochter verschwunden sind. Sein Verleger Don ruft an. Er erwartet, dass Elvin endlich etwas Brauchbares für das Magazin Freak Out zu Papier bringt. Plötzlich spricht der Fernseher. Elvin wird eingeladen, eine alternative Realität zu erkunden, die Zahl VI erscheint.

Wie sehr hatte man diesen Vormittag des 5. Juli 1866 herbeigesehnt! Seit Sonnenaufgang drängte sich das kalifornische Volk an der Victory Avenue mit dem stolzen Sternenbanner. An jenem Tag des Nationalstolzes feierte die Republik Kalifornien ihren Jahrestag im Beisein des Vaters der Nation, des Großen Abe.
Zunächst ertönte ein Raunen, das zum Beben anschwoll. Dem Wagen voran, den drei prächtigen Grizzlys zogen, zeichnete sich eine langgestreckte, unter Tausenden zu erkennende Silhouette gegen das Licht ab. Der Große Abe begrüßte die Menge feierlich wie einst Cäsar, als er die Via Sacra zum Kapitol beschritt.

Californium, ein Produkt von Arte France und Darjeeling ist eine Hommage an den amerikanischen Schriftsteller Philip K. Dick. Sie versucht sich zunächst dem Schriftsteller Dick und dann einigen seiner Fiktionen zu nähern. Dick, bekannt durch seine Vorlagen zu Filmen wie Blade Runner , Total Recall  und Minority Report  hat das Science-Fiction-Genre maßgeblich geprägt und wichtige philosophische Fragen, die mit der Technisierung von Gesellschaft und menschlichem Körper zusammenhängen, aufgeworfen.

Der erste Teil von Californium beschäftigt sich aber eher mit seinem frühen Werk The Man in the High Castle (auch als Serienadaption bei Amazon Video zu sehen) und dem „alternate history“-Genre. Grundsätzlich eignen sich Videospiele sehr gut, um sich der Frage nach „Was wäre gewesen wenn…“ zu nähern, da sich Entscheidungen unmittelbar auf die Umgebung anwenden lassen und Narrationen glaubhaft durch die Spieler_innen beeinflusst werden können.

Beim Spielen schleichen sich daher oft Parallelen zum 2013 erschienenem Bioshock Infinite ein. Im Verlauf der Geschichte zeigt das Spiel mögliche Parallelwelten auf und beschäftigt seinen Protagonisten ständig mit der Frage, wie sein Leben und seine Umgebung ausgesehen hätten, wenn er in der Vergangenheit etwas anderes getan hätte. In Californium besteht die spielerische Aktion jedoch nicht, wie in Bioshock Infinite, aus Egoshooter- und Railgun-Sequenzen, sondern wird auf das Erkunden der Umgebung und das Lösen kleinerer Rätsel reduziert. Problematisch ist hierbei jedoch, dass dem/der Spieler_in ständig gezeigt wird: „Finde noch x Rätsel und du kommst in der Geschichte weiter“. Somit löst sich Californium ein wenig von exploration games wie Dear Esther und Gone Home und gibt Spieler_innen wenig Freiheiten zum Finden eigener Narrationsstränge. Allgemein beschränkt sich die Spielwelt auf einen relativ kleinen Raum, der nach wenigen Minuten in Gänze erkundet werden kann und somit wenig Anreiz bietet, auf eigene Entdeckungstour zu gehen. Die spielerischen Mängel schmälern das Gesamterlebnis, welchen Californium zu bieten hat, jedoch nur wenig, da klar wird, welchen Ideen es folgen möchte.

Zu welcher Konsequenz Californium am Ende der Reihe kommen wird, ist nach dem spielen der ersten Folge nur schwer abzusehen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich die Reihe weiter ins Science-Fiction Genre vorwagt und auch andere Themen von Philip K. Dick verhandeln wird.
Philip K. Dick und wie er die Welt sah, Mittwoch, 2.3.2016 um 22 Uhr auf ARTE.

Californium gibt es ab heute für 9,99€ komplett bei Steam oder in Etappen (1. Folge: 16.2. / 2. Folge: 1.3. / 3. Folge: 8.3. / 4. Folge: 15.3.) kostenlos direkt bei Arte.