Gemeinfrei-Podcast: Die Weltallschiffer

Die erste Folge unseres Podcasts mit gemeinfreier Literatur. Heute: Die Weltallschiffer von Robert Kraft, gelesen von Jan Fischer.

[podlove-web-player publisher="4844"]

Das hier ist also die erste Folge unserer Podcast-Reihe mit Gemeinfreier Literatur. Diese Reihe gibt es, wei ich es liebe, in den endlosen Archiven gemeinfreier Literatur zu wühlen und die kleinen und großen Schätze, Skurrilitäten und Zufallsfunde dort herauszuziehen.

Den Anfang der Reihe macht Die Weltallschiffer von Robert Kraft. Die Weltallschiffer, weil Science-Fiction toll ist. Und Robert Kraft, weil Robert Kraft, nun ja, eigenartig ist.

Die Weltallschiffer erschien 1901 in der Jugendheftreihe Aus dem Reiche der Phantasie, es ist der vierte Band davon, und kurz genug, dass er sogar komplett in diesen Podcast passt. Die Rahmenhandlung ist folgende:

„Richard ist bis zum zwölften Jahre ein kräftiger, lebensfroher Knabe gewesen, als er durch ein Unglück gelähmt wird.
Am Abend seines vierzehnten Geburtstages sitzt der sieche Knabe allein in der Stube, traurig und freudlos, kein Ziel mehr im Leben kennend. Da erscheint ihm eine Fee. Sie nennt sich die Phantasie, will ihm ihr Geburtstagsgeschenk bringen und sagt ungefähr Folgendes:
In Richards Schlafzimmer befindet sich eine Kammerthür. Jede Nacht wird er erwachen (das heißt nur scheinbar), er soll aufstehen, jene Thür öffnen, und er wird sich stets dort befinden, wohin versetzt zu sein er sich gewünscht hat. Er kann sich also wünschen, was er will, er kann allein sein oder mit Freunden, er kann auch den Gang seiner Abenteuer ungefähr im voraus bestimmen; hat er aber einmal die Schwelle der Thür überschritten, dann ist an dem Laufe der Erlebnisse nichts mehr zu ändern. Alles soll folgerichtig geschehen, der Traum nichts an Wirklichkeit einbüßen. –
Die Erscheinung verschwindet, Richard erwacht aus dem Halbschlummer. Aber die gütige Fee hält Wort, und so findet der arme Knabe im Traume einen Ersatz für sein unglückliches Leben.
Jede Erzählung schildert nun eins seiner wunderbaren Erlebnisse, wie sie ihm die Phantasie eingiebt.“

Die Rahmenhandlung erlaubt Kraft, seine Stärke auszuspielen: Nämlich ein enzyklopädisches Wissen über die Trivialgenres (damals noch: Kolportage). Jedes Heft der Reihe deckt ein anderes Genre ab – es gibt Horrorgeschichten, Westerngeschichten, einen Dschungel in Leipzig, alles Mögliche. Das Tolle an Robert Kraft ist, dass er diese ganzen Genres beherrscht, der Mann war so eine Art Schwamm des Trivialromans des frühen 20. Jahrhunderts, der das alles aufsaugte und dann wieder rauströpfeln ließ. Manchmal in tollen Bildern mit überraschenden Wendungen, manchmal (vor allem in späteren Werken) mit flachen Charakteren in öden Settings, wirren Plot Devices oder nicht nachvollziehbaren Handlungssprüngen.
Aber größtenteils auf wirklich beachtliche Art, wie in seinem Hauptwerk, Die Vestalinnen auf 4300 Seiten, in dem es grob gesagt um die Weltreise von vier Frauen geht und das im Prinzip so etwas ist, wie der letzte klassische deutsche Abenteuerroman – und gleichzeitig eine Zusammenfassung von allen, die es davor gab.

Ansonsten lässt sich zu Robert Kraft noch sagen, dass er zwar als „deutscher Jules Verne“ vermarktet wurde, aber es nie geschafft hat so bekannt zu werden die Jules Verne – oder wie sein Zeitgenosse Karl May. Im Gegensatz zu dem wusste Kraft auch meistens, wovon er schreibt, weil er tatsächlich lange Zeit in Ägypten und Libyen in der Wüste verbrachte (lange Zeit mit einer einheimischen Frau) und von Zeit zu Zeit als Matrose auf Schiffen anheuerte. Was er allerdings auch schaffte, war, selbst nach einer großen Erbschaft, andauernd pleite zu sein, so dass er ständig weiterschreiben musste.

Zum Mitlesen: Die Weltallschiffer

Zum Weiterlesen: Die Vestalinnen

Bildquellen

  • Die_Weltallschiffer: CC0