Mirkos Lovecouch: Viagra und rote Ohren

Eine neue Ausgabe unserer Sexkolumne Mirkos Lovecouch. Heute: Ein ca. 40jähriger Mann schluckt erstmals Viagra und es wird erklärt, warum dann doch nichts passierte.

Ein Freund hat nun zum ersten Mal Viagra verschrieben bekommen. Besser gesagt eines dieser billigen Nachahmer-Produkte: Zildafenil Zentiva. Er hat es mir ganz freimütig in der Kneipe erzählt. Die Packung genommen und auf den Tisch geworfen: Siehst du, so sieht das aus, wenn man ohne Hilfsmittel keinen mehr hochkriegt.
Die Tabletten sahen eigentlich aus wie alle anderen Tabletten auch. Hätte er mir nicht gebeichtet, wofür sie gut sind, ich hätte nicht sagen können, ob das nun Abführpillen sind oder Drops gegen Haarausfall.

Aber für den Freund war das schon ein Problem. Dass er nun diese Pillen schlucken musste, um einen hochzubekommen. Gut, er behauptete das Gegenteil. Dass es für ihn eben kein Problem gewesen sei. Gemerkt, dass da bestimmte Dinge nicht mehr funktionieren, habe er es erstmals, als die Morgenlatte ausgeblieben sei. Früher habe da alles gestanden wie eine eins. Auch, wenn er traumlos geschlafen habe. Doch dann sei das irgendwann ausgeblieben. Und auch am FKK-Strand habe sich nicht mehr viel geregt, wenn eine schöne Frau vorbeigegangen sei. Sein bestes Stück habe herabgehangen, als hätte jemand einen Eimer kaltes Wasser drübergekippt.

„Ich habe mich gefühlt wie ein kastrierter Kater“, erklärte der Freund mit wehmutsvoller Miene. „Und die werden dann ja auch ganz schnell dick, wenn die Viechter mal kastriert sind.“ Kastraten seien nämlich nicht mehr so aktiv und müssten immerzu ihren Frust wegessen. Und weil er plötzlich weniger Lust empfunden habe, habe er auch Angst gehabt, zu verfetten. Redet so jemand, der meint, er habe kein Problem?

Also ist der Freund dann zum Arzt gegangen. Zum Urologen. Dort sei er zuvor noch nie gewesen. Er habe sich dann ausgemalt, was die anderen Patienten haben, die mit ihm im Wartezimmer sitzen. Tripper! Herpes! Besser nicht die Toilette benutzen, habe er gedacht. Und der Arzt sei auch noch ein ganz junger Arzt gewesen. Der habe mit einem Ultraschallgerät den Penis abgetastet, während der Freund mit heruntergezogenen Hosen auf der Liege gelegen habe.

Mit dem Schwellkörper, so habe der Arzt gesagt, sei alles okay. Aber es gebe da diese kleinen Narben am Schaft. Und die könnten die Durchblutung stören. Kein großes Ding. Es gäbe Schlimmeres. Bei anderen Patienten würde sich da Kalk ablagern, wie bei einer Waschmaschine. Das müsste dann oft operiert werden. Aber das hier nicht. „An Ihrem Penis müssen wir nicht rumschnippeln. Wollen Sie nicht mal Viagra versuchen? Das hat schon vielen geholfen. Ich verschreibe ihnen erstmal eine kleine Packung, da können Sie das ausprobieren, und wenn es wirkt, holen Sie sich einfach ein neues Rezept. Wenn nicht, müssen wir uns was anderes überlegen.“ Das Patent von Pfizer sei auch vor Kurzem ausgelaufen, und deswegen gebe es jetzt preiswerte Nachahmer-Präparate. „Aber Sie müssen Ihren Penis schon stimulieren, sonst wirkt es nicht“, habe der Arzt gescherzt. „Oder stimulieren lassen!“

Der Freund hatte dann also das Date mit dieser Frau. Und, was solle er sagen? Es habe dann auch gewirkt, so eine dreiviertel Stunde nach dem Schlucken. Er sei tatsächlich steif geworden. Also nicht sein Penis, sondern sein Nacken. Er habe dann auch ein ganz rotes Gesicht bekommen. Und rote Ohren. Und leichte Sprachfindungsstörungen habe er auch gehabt. Während er mit dieser Frau am Tisch gesessen habe. Die Nebenwirkungen! So eine Pille wirke sechs Stunden, und er habe prophylaktisch schon mal vor dem Date eine Pille genommen. Während des Dates dann noch eine halbe, heimlich auf der Toilette. Aber die heftige Reaktion habe ihn schon überrascht. Für ein Date sei das ja nicht so gut, wenn man da mit rotem Gesicht und roten Ohren dasitze und nicht viel sagen könne. Und auch leicht schwitze. Das hinterlasse dann keinen so guten Eindruck. Sie habe auch gemerkt, dass es ihm nicht so gut gehe. Er habe dann gesagt, er müsse Tabletten nehmen, aber nicht verraten, welche das sind. Und weil er so ein rotes Gesicht gehabt habe und sich nicht wohl fühlte, sei dann eben auch nichts passiert an diesem Abend. Also wirklich überhaupt nichts.

Aber jetzt wolle er es wieder ohne Tabletten versuchen. Er sei dann irgendwann mit dieser Frau im Bett gelandet: an einem anderen Tag. Als er keine Viagra dabei gehabt habe. Also nicht dieses billige Nachahmer-Präparat. Und das habe dann auch funktioniert, irgendwie. Man müsse es dann eben etwas langsamer angehen lassen und dürfe nicht mehr so wild rödeln. Ob ich die Tabletten nicht haben wolle? Ich käme doch auch langsam in ein Alter, in dem ich das brauche.

Bildquellen

  • _mg_7179: Jan Fischer