Sag zum Abschied leise “Bullshit” – Zum Abschied Jon Stewarts

Jon Stewart hat gestern Abend seine letzte Daily Show moderiert und der Welt wie unserer Autorin Mika Doe blutet das Herz, denn Stewart war eine Bastion der Vernunft in der amerikanischen Gesellschaft.

Einer meiner großen Helden hat sich gestern Abend mit der letzten Folge seiner Show verabschiedet. 16 Jahre lang hat Jon Stewart The Daily Show moderiert. In dieser Zeit verwandelten er und seine AutorInnen die Sendung von einer wenig beachteten Show auf Comedy Central zu einer Bastion der Vernunft im US-Fernsehen. Er gab der Daily Show Richtung, gab ihr Konsequenz und eine klare Stimme gegen schlechte und faule Berichterstattung, gegen Fear-Mongering, korrupte Politik, Propaganda, Rassismus, Sexismus – kurz: Bullshit.
Er ist der Amerikaner den man aus der Tasche holen möchte, wenn wieder jemand irgendwo sagt “Die Amerikaner sind alle bekloppte Waffennarren die sich nur von Cheeseburgern ernähren” und sagen: Nein! Guck dir Jon Stewart an.
16 Jahre lang hat Stewart sich all den Unrat der amerikanischen Gesellschaft auf den Tisch geholt und gezeigt was falsch ist. Von der NRA bis Donald Trump, von McDonalds bis Arbys und von Bill Clinton bis Barack Obama.

#JonVoyage #Staffgram Almost everyone.

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Jon Stewart gehört zweifellos zu den Guten. Es ist kein Zufall, dass Stephen Colbert, der zunächst mit dem Colbert Report und nun als Host für Letterman übernimmt, keinen Hehl daraus macht, wie viel er – und viele andere- ihm zu verdanken haben. So auch John Oliver, der für einige Zeit die Vertretung Stewarts übernahm, während dieser seinen Film Rosewater drehte. Oliver, der es irgendwie schafft als Engländer den Amerikanern ihr Land zu erklären, hat auf HBO einen eigenen Platz gefunden. In Last Week Tonight ist Stewarts Handschrift zu lesen, wenn auch die Form sich geändert hat. Es ist eine gute Handschrift.
Jon Stewart hat 16 Jahre lang das gemacht, was die Nachrichten eigentlich machen sollten. Klare Berichterstattung und kritische, tiefgreifende Interviews mit Politikern von Mitgliedern des Kongress über Bill und Hilary Clinton bis hin zu Barack Obama. Ein Comedian, der gleichzeitig der Most-trusted-Newsman der USA ist. Stewart selbst rückt nie von dieser Rolle ab. Er ist kein Nachrichtensprecher, er will, dass die Menschen lachen. Oft genug ein Lachen, das im Halse stecken bleibt. So zum Beispiel bei seinem Interview mit den 9/11 First Responders, deren Kampf um Kompensation für ihre zahlreichen Langzeitschäden zunächst hoffnungslos aussah. Wochenlang rückte Stewart ihr Schicksal immer wieder in den Vordergrund seiner Berichterstattung – bis es endlich ein umfassenderes Gesundheitspaket für die Kranken gab, die einst als Helden und Heldinnen Amerikas gefeiert wurden.

Er marschierte auf der Washington Mall und organisierte den Protestzug „Ralley to restore Sanity“ mit Stephen Colbert als dem Widersacher und dessen „Ralley to restore fear“. Beide taten sich zusammen und riefen auf zur „Ralley to restore sanity and/or fear“. Natürlich eine Persiflage, doch mit einem ernsten Kern: Amerika ist voll mit vernünftigen Menschen, die Jobs haben und Familien und schlicht keine Zeit haben mit „God hates Fags“ oder ähnlichen Schildern stundenlang irgendwelche Beerdigungen zu belagern. Menschen, die nicht so laut schreien. Menschen, die nicht bei jeder Auseinandersetzung die Hitler-Keule aus der Tasche holen. Sie sollten eine Stimme haben und Jon Stewart war diese Stimme.
Vernunft. Das ist vielleicht das Wort, das Jon Stewart am besten beschreibt. Vielleicht wird diese Vernunft im Angesicht von Wahnsinn am deutlichsten spürbar in der ersten Sendung nach 9/11.

Doch nicht nur hier. Als moralischer Kompass zieht sich Vernunft durch die 16 Jahre Daily Show – und ist dabei auch noch witzig. Ich persönlich winke schweren Herzens meinem persönlichen Botschafter für Amerika zu. Laut ihm handelt es sich lediglich eine Pause im Gespräch: “I’m just gonna get a drink.” –  Ich warte und hoffe, dass er ist nicht durch das Klofenster geflüchtet ist, sondern sich hier und da noch Mal blicken lässt. Here are some moments of zen:

https://www.youtube.com/watch?v=hvRwUC4IyzM

 

 

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